Ansicht einer Person mit Händen am Lenkrad eines BMW-Cockpits

Lärmpflicht für Elektroautos

Wien - Seit dem 1. Juli 2019 gilt die Lärmpflicht für Elektroautos. Das bedeutet, dass in neuen Fahrzeugen ein akustisches Warnsignal installiert werden muss. Genannt wird dieses System Acoustic Vehicle Alterting System, kurz AVAS.

Diese Geräusche sollen unterschiedlich sein, also von Verkehrsbeteiligten erkennbar, ob das Auto beschleunigt oder bremst. Eine steigende Tonhöhe kennzeichnet beispielsweise ein näherkommendes Auto. Der Mobilitätsclub will gemeinsam mit Sehbehindertenverbänden Nachbesserungen abstimmen und so für mehr Sicherheit sorgen.

rot lackierter Alpha Romero in Bewegung auf einer Waldstraße

Betroffene Elektroautos

Die neue Verordnung betrifft nur jene Fahrzeuge, die seit dem 1. Juli 2019 typisiert wurden bzw. noch werden. Davor Zugelassene müssen derzeit nicht nachgerüstet werden. Manche Hersteller haben jedoch bereits freiwillig ein AVAS eingebaut. Ab Mitte 2021 sieht die Anweisung nämlich vor, dass auch ältere Modelle nur noch mit diesem System verkauft werden dürfen.

Geschwindigkeiten und Lautstärken

Das AVAS muss bis zu einer Geschwindigkeit von 20 km/h ein Schallzeichen erzeugen. Danach ist das Abrollgeräusch der Reifen ausreichend. Im Stand muss es allerdings keine Geräusche machen.

Lärmpegel für Geschwindigkeiten:

  • 50 dB bei 10 km/h
  • 56 dB bei 20 km/h
  • 47 dB beim Rückwärtsfahren

Pausenknopf

Zu Beginn einigte sich die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa auf ein Schallzeichen, inklusive Pausenknopf, welcher das künstliche Motorengeräusch abstellen konnte. In Japan kam es jedoch zu einem Unfall, bei dem ein blinder Mensch von einem Lkw getötet wurde. Der Rückfahralarm war dabei abgeklemmt. Aus diesem Grund ist der Pausenknopf nun abgeschaltet. Dem heimischen Blindenverband reicht diese Maßnahme nicht aus. Man sollte also die Geräuschkulisse über die 20 km/h hinaus gewährleisten. Auch der Lärmpegel sei zu gering. Zu beachten wäre überdies auch, dass neue Benziner leise sind, ebenso wie Fahrräder und die in letzter Zeit boomenden E-Scooter. Bei letzterem verunglückte vor Kurzem eine britische Youtuberin.

Nahaufnahme einer Lautsprecherbox

Soundengineering

Es gibt einen Grund, warum sich ein Porsche anhört wie ein Porsche und ein Smart eben wie ein Smart. Dafür ist das Soundengineering zuständig. Denn laut der neuen Verordnung zum AVAS ist nicht definiert, wie sich das Schallzeichen genau anhören muss. Die Forscher untersuchen also unterschiedliche Frequenzen und welche Emotionen und Assoziationen sie auslösen. Bei tieferen muss der Lautsprecher im Fahrzeug dementsprechend groß sein, höhere Töne werden von älteren Menschen wiederum nicht gehört. So sind Frequenzbereich, Klangfarbe sowie Wechsel der Lautstärke verantwortlich für die Wahrnehmung bei den Käufern. Dennoch erwarten Forscher keine gravierenden Änderungen bei den künstlichen Motorgeräuschen. Grund dafür ist ein Fall aus Japan, bei dem die künstliche akustische Beschleunigung schneller war als die tatsächliche und dies schlecht aufgenommen wurde. Daher sind die Hersteller wieder davon abgekommen.

Quellen:

APA-OTS

Der Standard